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Erbrecht und Nachlassangelegenheiten

Artikel

Hier finden Sie allgemeine Informationen, sowie Hinweise zum Verfahren an der Botschaft. 

Allgemeine Informationen zum deutschen Erbverfahren

Sie sind Erbe geworden und der Nachlass befindet sich (zum Teil) in Deutschland? Um über Nachlass in Deutschland verfügen zu können, muss häufig ein von einem deutschen Nachlassgericht erteilter Erbschein oder ein Europäisches Nachlasszeugnis (ENZ) vorgelegt werden.

Dies gilt insbesondere, wenn der oder die Verstorbene Grundeigentum in Deutschland hinterlässt. In diesem Fall ist das Grundbuch zu korrigieren. Auch Banken, Versicherungen und ähnliche Institute lassen sich die Erbfolge häufig durch einen Erbschein oder ein ENZ nachweisen. Anstelle eines Erbscheins/ENZ genügt eine beglaubigte Kopie der vom Nachlassgericht eröffneten letztwilligen Verfügung nebst Eröffnungsprotokoll, wenn es sich um ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag handelt, in dem die Erben genau bezeichnet sind.

Ein im Vereinigten Königreich vor zwei (England und Wales sowie Nordirland) oder einem (Schottland) Zeugen errichtetes Testament wie auch ein von einem britischen Gericht ausgestellter/s „grant of probate“ oder „letter of administration“ ist in Deutschland nicht anerkennungsfähig.

Im deutschen Recht geht der Nachlass einer verstorbenen Person (im Deutschen „Erblasser“ genannt) unmittelbar auf den oder die Erben über (sogenannte Universalsukzession). Anders als im Vereinigten Königreich gibt es keinen „personal representative“, der zunächst die Nachlassabwicklung übernimmt.

Eine gesonderte Erklärung, dass die Erbschaft angenommen wurde, ist nicht erforderlich. In manchen Fällen, so zum Beispiel, wenn der Nachlass überschuldet ist, kann es jedoch ratsam sein, die Erbschaft nach dem Erblasser auszuschlagen. Hierfür muss der Erbe innerhalb einer bestimmten Frist gegenüber dem Nachlassgericht erklären, dass er die Erbschaft ausschlägt. Wer die Erbschaft nicht innerhalb der Frist ausschlägt, ist automatisch Erbe geworden.

Der Erbschein wird auf Antrag durch das zuständige Nachlassgericht in Deutschland ausgestellt. Zuständig ist in den meisten Fällen das Amtsgericht, in dessen Bezirk der oder die Verstorbene seinen bzw. ihren letzten Wohnsitz hatte.

In der Regel beinhaltet der Antrag u.a. eine eidesstattliche Versicherung und muss daher vom zuständigen Nachlassgericht oder einem Notar in Deutschland beurkundet werden.

Außerhalb Deutschlands kann eine Versicherung an Eides statt lediglich durch einen hierzu ermächtigten Konsularbeamten an einem deutschen Generalkonsulat oder einer Botschaft abgenommen werden. Hierfür ist eine persönliche Vorsprache erforderlich. Im Vereinigten Königreich kann die Beurkundung derzeit nur bei der Botschaft London vorgenommen werden.

(zum Verfahren sh. Pkt. 2)

Wenn z.B. aus gesundheitlichen Gründen eine persönliche Vorsprache nicht möglich ist, kann das Nachlassgericht unter bestimmten Umständen auf Antrag von dem Erfordernis einer eidesstattlichen Versicherung absehen. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich direkt an das zuständige Nachlassgericht.

Der Erbschein weist die Rechtsnachfolge mit Erbquoten aus, nicht aber, wem die einzelnen Nachlassgegenstände zustehen. Mehrere Erben bilden zunächst eine Erbengemeinschaft und müssen sich selbst über die Verteilung des Nachlasses auseinandersetzen, ggf. mit Hilfe eines Notars, wenn Grundbesitz zum Nachlass gehört.

Wenn mehrere Personen Erbe geworden sind, genügt es in der Regel, wenn einer der Erben einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragt. Meist sieht das Nachlassgericht auf Antrag davon ab, dass alle übrigen Erben ebenfalls eine eidesstattliche Versicherung abgeben müssen. Zwar können auch Erbscheine lediglich über den eigenen Nachlassanteil ausgestellt werden (sog. Teilerbschein), da die Erben nur gemeinsam über den Nachlass verfügen können, ist ein solcher jedoch allein in den meisten Fällen unzureichend.

Ein Mitwirken der deutschen Auslandsvertretung bei Erbfällen ist in der Regel nur notwendig, wenn sich der Nachlass in Deutschland befindet, unabhängig von der Nationalität des Erblassers. Bei Nachlässen in Vereinigten Königreich wenden Sie sich bitte an die zuständige britische Stelle.

Die deutschen Auslandsvertretungen können keinerlei Auskunft in individuellen Erbangelegenheiten oder über steuerrechtliche Fragen in Verbindung mit Erbnachlässen erteilen. Hierzu empfehlen wir Ihnen, sich an einen spezialisierten Anwalt, Steuerberater oder das Finanzamt zu wenden.

Auf deutsches Erbrecht spezialisierte Anwälte in Deutschland finden Sie z.B. hier.

Auf britisches Recht spezialisierte deutschsprachige Anwälte finden Sie u.a. hier (London) und hier (Edinburgh).

Verfahren an der Botschaft

Sofern eine Beurkundung des Antrags an der Deutschen Botschaft in London gewünscht ist, bitten wir, den untenstehenden Fragebogen ausgefüllt an die Botschaft zu übersenden.

Fragebogen

Bitte füllen Sie den Fragebogen entweder am Computer oder handschriftlich (in Druckschrift) aus.

Die von Ihnen in diesem Fragebogen geleisteten Angaben erleichtern die Erbscheinsverhandlung bzw. die Verhandlung für ein ENZ. Bitte füllen Sie den Fragebogen daher möglichst vollständig aus. Unvollständige Angaben können zu Verzögerungen in der Bearbeitung führen. Wir weisen darauf hin, dass die Auslandsvertretungen keine Ermittlungen für Sie anstellen können. Wenn relevante Daten nicht bekannt sind, sollte ggf. ein Anwalt oder Rechtsberater eingeschaltet werden.

Bitte fügen Sie dem ausgefüllten und unterschriebenen Fragebogen einfache Kopien der antragsbegründenden Unterlagen bei. Eine Übersicht der erforderlichen Dokumente kann dem Merkblatt zum Fragebogen entnommen werden. Bitte übersenden Sie keine Originaldokumente.

Bitte übersenden Sie den Fragebogen und die begleitenden Unterlagen anschließend postalisch an die folgende Adresse: 

Embassy of the Federal Republic of Germany
Erbschaftsangelegenheiten
23 Belgrave Square
London
SW1X 8PZ

Auf der Grundlage Ihres Fragebogens wird die Botschaft einen Erbscheinsantrag entwerfen und Sie anschließend zur Vereinbarung eines Termins für die Beurkundung der Erbscheinsverhandlung kontaktieren.

Aufgrund der großen Anzahl eingehender Erbscheinsanträge wird darauf hingewiesen, dass die Bearbeitung Ihres Antrages derzeit ca. sechs Monate dauern kann. Die Bearbeitung der Eingänge erfolgt in chronologischer Reihenfolge. Es wird um Verständnis für diese Verzögerung gebeten. Die Botschaft wird so schnell wie möglich mit Ihnen Kontakt aufnehmen um einen Beurkundungstermin zu vereinbaren. In der Zwischenzeit möchten wir Sie bitten, von Sachstandsanfragen abzusehen.

Für die Beurkundung wird eine Gebühr anfallen, die in bar oder per Kreditkarte (Visa/Mastercard, keine debit cards) zu entrichten ist. Bei Kreditkartenzahlung erfolgt die Belastung in EUR und kann bei britischen Kreditkarten zu einem Auslandseinsatzentgelt führen. Erkundigen Sie sich daher bitte bei der Terminabsprache über deren Höhe. Die Gebühr richtet sich nach dem Wert des Nachlasses.

Nach Beurkundung muss der Antrag von Ihnen nebst beglaubigten Kopien der erforderlichen Personenstandsurkunden an das zuständige Nachlassgericht in Deutschland übersandt werden. Bitte beachten Sie, dass die Nachlassgerichte regelmäßig Übersetzungen fremdsprachiger Urkunden und Testamente verlangen, auch wenn diese für die Beurkundung in der Botschaft zunächst nicht erforderlich sind. Das Nachlassgericht wird für die Erteilung des Erbscheins, ENZ oder Testamentsvollstreckerzeugnisses eine weitere Gebühr erheben.

Bitte beachten Sie, dass die deutschen Auslandsvertretungen Ihnen lediglich bei der Vorbereitung und Beurkundung des Erbscheinantrags behilflich sein können. Sie oder Ihr Vertreter müssen den Antrag selbst beim zuständigen Nachlassgericht einreichen und sich um das folgende Verfahren kümmern. Eine individuelle Rechtsberatung oder Vertretung im Nachlassverfahren kann durch die Auslandsvertretungen nicht geleistet werden. Hierfür müssten Sie sich ggf. an einen Vertreter der rechtsberatenden Berufe wenden (sh. Punkt 1).

EU-ErbVO: Informationen zum neuen Erbrecht

Auf Erbfälle, die ab dem 17.08.2015 eingetreten sind oder noch eintreten, findet die Europäische Erbrechtsverordnung Anwendung, die für jeden Einzelnen von großer Bedeutung sein kann. Sie regelt, welches Erbrecht welchen Landes anzuwenden ist, wenn eine Person verstirbt. Hat sich dieses sogenannte Erbstatut nach deutschem Recht bisher aus der Staatsangehörigkeit des Verstorbenen ergeben, so bestimmt es sich ab dem 17.08.2015 nach dem Recht des Landes, in dem der Verstorbene seinen ständigen Aufenthalt hatte - sofern der Verstorbene nicht in einem Testament etwas anderes verfügt hat.

Konkrete Hinweise zu den Änderungen sowie den Auswirkungen, die diese möglicherweise auf Ihre eigene Nachlassplanung haben können, finden Sie in dem folgenden Merkblatt.

Mit der Europäischen Erbrechtsverordnung wird ferner die Möglichkeit geschaffen, ein Europäisches Nachlasszeugnis (ENZ) zu beantragen, welches in mehreren Mitgliedsstaaten als Nachweis der Rechtsnachfolge verwendet werden kann. In Deutschland ist das Nachlassgericht für die Ausstellung des Europäischen Nachlasszeugnisses zuständig. Voraussetzung für die Ausstellung ist u.a., dass der Erbnachweis in Deutschland und mindestens einem weiteren Land der Europäischen Union (außer Dänemark und Irland) benötigt wird. Das Verfahren zur Beantragung des Erbscheins (s.o.) greift auch hier.

Weitere Informationen zur Erbrechtsverordnung finden Sie in der folgenden Broschüre des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.

Erbenermittlung

Die deutschen Auslandsvertretungen können bei der Erbenermittlung nicht behilflich sein. Diese Aufgabe wird regelmäßig durch einen Nachlasspfleger oder durch ein von diesem beauftragtes Erbenermittlungsbüro übernommen, wobei die entstehenden Kosten zu Lasten des Nachlasses gehen. Es gehört nicht zum gesetzlichen Auftrag einer Auslandsvertretung, im Rahmen einer Erbenermittlung Unterstützung zu leisten.

Hinweise zur Personensuche/Anschriftenermittlung finden Sie hier.

Sofern gar keine Erben bekannt sind und der Sterbefall in Großbritannien stattfand, kann es im Einzelfall sinnvoll sein, eine britische Sterbeurkunde anzufordern. Dort wird regelmäßig der „Informant“ mit Adresse aufgeführt, was ggf. weitere Ermittlungen möglich macht. Urkunden können auch von Deutschland aus hier angefordert werden.

FAQ

Häufig gestellte Fragen finden Sie hier.

Datenschutzerklärung gem. Artikel 13 Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)

Mehr Informationen finden Sie hier.

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